Ecolabel

EU-Ecolabel

Seit den ersten informellen Treffen 2018 waren wir vom FNG-Siegel in die Arbeiten um die Erweiterung des EU-Ecolabels auf Finanzprodukte involviert. Das JRC (Joint Research Center) der EU-Kommission hat im März nach ver-schiedenen Stakeholder-Konsultationen den Technical Report 4.0 als Draft einer finalen Version veröffentlicht.                                                             . Insgesamt kann konkludiert werden, dass es eine sehr schwere Geburt werden wird, da schlicht die Quoten an zu erfüllenden grünen Taxonomie-Aktivitäten viel zu hoch und fernab jeder Realität sind. Es gibt leider viele Stakeholder, die in ihrer Argumentation allein die „grüne Wahr-nehmungskarte“ spielen und finanzmathematische bzw. treuhänderische Argumente in Bezug auf die Portfoliokonstruktion und das Bedürfnis von Privatanleger:innen nach halbwegs ausge-wogenen Anlageprodukten außer Acht lassen. Seit Beginn der ersten Überlegungen 2018 war ein Multilemma absehbar, auf das bereits erfahrene SRI-Label-Akteure wie das skandinavische Nordic Swan, das österreichische Umweltzeichen und das FNG-Siegel hinwiesen. Zentral war zumindest das folgende Trilemma: (1) Having an ECOlabel that „merits“ its (green) name according to stakeholders like consumer protection associations, some national environmental agencies or NGOs (read reclaim finance, better finance et al. or 2°ii destructive comments and studies as examples and unfortunately also as proof of not wanting to understand the realities of today’s green fund market), (2) the constitutional conditions any product with the EU-Ecolabel has to fulfill (–> JRC un-fortunately had not the freedom to develop something new on a greenfield; stipulated EUEB (European Union Eco-labelling board) rules had to be respected) and (3) responding to the Asset Managers’ need of rather low taxonomy-mapped quotas in order to be label-eligible for at least some products. So, lots of the „birth-mistakes“ are grounded in formal restrictions, the non-reconciliation of opposed stakeholders with (dogmatic) irrealistic convictions and the incapacity in early stages to listen more to experienced SRI label-schemes. Im Laufe der Zeit bildeten sich Unterarbeitsgruppen und insbesondere bei Fragen zu „Verifi-cation & Assessement“ konsultierte das JRC kürzlich nochmals bi- und mutlilateral die Label-Organisationen des skandinavischen Nordic Swans, des österreichischen Umweltzeichens und des FNG-Siegels. Auf die Gefahren einer sehr schwierigen Geburt hinweisend, allein schon aus Gründen der zeitlichen Nicht-Harmonisierung aller sechs Umweltziele und der Notwendigkeit klarer Prüfanleitungen, da man mit dem einerseits zwar sinnvollen Einbezug von CAPEX- und OPEX-Größen zukunftsgerichtet ist, andererseits hier aber noch nicht mal ein systematisches Bilanz-Rahmenwerk existiert und die Prüfung in den ersten Jahren auf vielen, individuellen Schätzwerten beruhen wird, erkennt man in der vorliegenden, finalen Draft-Version insgesamt die Handschrift der Bedenkenträger vor dem Hintergrund der Gefahr absehbarer Vorwürfe zu Greenwashing im Falle einer Nicht-Berücksichtigung. So gab es bereits von vielerlei NGO-Seite einen Aufschrei, als man allein nur die Quote von grünen Taxonomie-Aktivitäten von 50% auf 40% herabsetzen wollte. Im Grunde geht es darum, dass es nicht sein könne, dass in einem ECO-zertifizierten Produkt letztendlich mehr als die Hälfte nicht-grün ist. Dieses gerade aus Sicht von Privatanleger:innen nachvollziehbare Wahr-nehmungs-Argument steht leider in riesigem Missverhältnis zur Realität aktuell vorhandener Finanzprodukte. So kamen mehrere vom JRC in Auftrag gegebene Studien zum Ergebnis, dass es de facto keinen Markt für die aktuellen Kriterien des EU-Ecolabels gibt. Als Beispiel sei eine erste Studie mehrerer wissenschaftlicher Einrichtungen erwähnt, die selbst bei 101 als grün deklarierten Fonds je nach Untersuchungs-Hypothese lediglich drei bis sechs Investmentfonds identifiziert haben, die sich grundsätzlich fürs EU-Ecolabel eignen könnten, wenn man „Taxonomy-alignment“ als Maßstab annimmt. Zieht man aber noch die beiden anderen notwendigen Aspekte DNSH (do no significant harm) und „social safeguards“ hinzu, bleibt kein einziges von den 101 untersuchten Produkten übrig. Ein Auszug aus dieser zweiten Studie (S.5f) illustriert dies sehr eindrücklich. Viele Marktteilnehmer kritisieren die EU bereits sehr stark für diese „Fehlgeburt“. Hier sei aller-dings anzuführen, dass es (a) um eine Erweiterung des bestehenden EU-Ecolabels auf Finanz-produkte geht und es klare konstitutionelle Richtlinien zum EU-Ecolabel gibt, die respektiert werden müssen und (b) manche NGOs parallel zu den Arbeitsgruppen mit öffentlichen Veran-staltungen ihren teils dogmatischen Standpunkt zu einer mindestens 50% Greenness-Quote (allein auf die Umweltziele der Taxonomie bezogen) manifestierten und Portfoliokonstruktions-überlegungen und den Bedarf vieler Anleger nach ausgewogenen Rendite-Risiko-Verhältnissen komplett ignorierten, da deren eingeforderte Quoten letztendlich zu hochkonzentrierten Portfolios führen[1]. Es ging also leider nie darum, ein „grünes“ Label auf der grünen Wiese zu entwickeln. Die Hoffnung liegt nun darauf, dass unter Einbeziehung der restlichen vier Umweltziele, der (sinnvollen) Erweiterung des Konzepts auf CAPEX und OPEX und der Dynamik des Markts, neue Produkte mit starkem Taxonomie-Bezug aufzulegen, es in naher Zukunft doch noch vielleicht einen signifikanten Markt für Produkte mit dem EU-Ecolabel geben wird. Der Zeitplan ist nun abhängig von der neu für den April geplanten Verabschiedung der dele-gierten Rechtsakte zu den beiden ersten (Klima)Umweltzielen der Taxonomie, woraufhin dann das EU-Ecolabel (im Juni) beschlossen werden könnte, auf das man sich dann ab 2022 wird bewerben können. [1] Die Konsequenz könnte aber sogar noch viel schlimmer sein, da es bei eintretenden hohen Mittelzuflüssen (was ja Ziel der EU für Privatanleger:innen ist) zu starker Blasenbildung mit evtl. hohen Kursverlusten und dann starken Kollateralschäden in den Vermögensverhältnissen von Kleinanleger:innen kommen kann.

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